Ein Erfahrungsbericht:
Ich lebe jetzt seit eineinhalb Jahren in Südostasien. Die Menschen hier essen morgens, mittags und abends meist Reis. Frühstück mit Brot, Marmelade oder Käse gibt es hier nicht. Wenn man hier überhaupt Brot bekommt, dann nur labbriges Weißbrot. So haben wir fast die ganze Zeit auf Brot verzichtet. In Kuala Lumpur gab es einen deutschen Bäcker, dort haben wir uns dann mal einen Laib Brot gegönnt, das war jedoch bisher die Ausnahme. Nun sind wir in Indonesien und hier hat mein Sohn einen Supermarkt entdeckt in dem es Brötchen, Baguette und helle Brote gibt. Welch eine Freude! Er ist extra jeden Tag dort hingelaufen, um für uns zum Frühstück einzukaufen. Eigentlich haben wir bisher im Supermarkt in unserer Straße alles besorgt, was wir brauchen, dieser ist nur ein paar Häuser von uns entfernt. Jetzt hat er sich jedoch extra die Mühe gemacht den anderen Supermarkt, der um einiges weiter weg ist, aufzusuchen. Was für ein Gefühl, mal wieder in ein Brötchen zu beißen. Lecker mit Honig oder mit einer dicken Scheibe Gouda belegt. Guter Käse ist hier nämlich genauso selten wie gutes Brot.
Leider hielt die Freude nicht lange an. Bereits um die Mittagszeit bekam ich heftige Bauchkrämpfe. Lange musste ich nicht warten, dann begann der Durchfall. Irgendwie ging ich davon aus, es müsste am Käse liegen. Verzichtete daraufhin auf den Hartkäse und versuchte es mit Frischkäse, der viel leichter und verdaulicher ist. Die heftigen Krämpfe wurden weniger und auch die Toilette bekam mich nicht mehr so häufig zu sehen. Alles super, dachte ich und freute mich weiter über mein deutsches Frühstück. Seitdem ich hier in Südostasien bin, geht es mir sehr gut. Ich bin gut gelaunt, entspannt und glücklich. Irgendwas stimmte jedoch nicht mit mir. Seit ein paar Tagen machte sich eine leichte Traurigkeit in mir breit. Ich konnte dieses Glücksgefühl nicht mehr hervorrufen, für das ich so dankbar war, es hier bekommen zu haben. Auch fing ich an, nachts nicht mehr durchzuschlafen. Anfangs wachte ich nach ca. 2,5 Stunden auf, damit war dann die Nacht für mich vorbei. Ich wälzte mich im Bett hin und her, machte Entspannungsübungen, machte Selbstsuggestionen – nichts half. Später wachte ich sogar nach 30 Minuten auf und konnte nicht mehr einschlafen. Aufstehen wollte ich nicht, ich war ja müde, versuchte, jede Nacht wieder einzuschlafen. Früh war ich dann wie in Watte gepackt, bekam vor Müdigkeit nicht mehr alles mit. Meinen Sport konnte ich nicht mehr machen, nicht, dass ich besonders sportlich wäre, aber ich mache jeden Morgen wenigstens ein paar Übungen, um fit zu bleiben. Jetzt war ich jedoch zu schlapp dafür. Nach dem Frühstück musste ich mich dann doch noch mal hinlegen und konnte dann auch jedes Mal wieder ein paar Stunden schlafen. Nachts kam noch hin zu, dass wir Nachbarn haben die laut rumkichern. Eigentlich störte es mich sonst wenig, nun reagierte ich aber total gereizt darauf und wurde echt wütend über diese zusätzliche Störung. So vergingen einige Tage, an denen ich mich in den Nächten erfolglos quälte, weiter zu schlafen, dafür dann aber den halben Tag verpennte. In der restlichen Zeit bekam ich dann auch nicht mehr viel hin. Ich fühlte mich fremd-bestimmt, wie auf Droge. Konnte ich doch sonst mit den geeigneten Techniken mich und meinen Körper gut beeinflussen, jetzt hörte mein Körper nicht mehr auf mich!
Nach 9 Tagen reichte es mir. Um 1.00 nachts, nach vergeblichen Versuchen doch noch Schlaf zu finden, stand ich auf, setzte mich an meinen Laptop und fing an zu recherchieren. Gluten war das Zauberwort. Gute 3,5 Stunden habe ich alles verschlungen, was ich finden konnte. Klar habe ich schon in Deutschland von Glutenunverträglichkeit gehört, mich aber nie damit beschäftigt. Schließlich dachte ich ja, dass ich damit keine Probleme habe. Weit gefehlt! Was ich jetzt alles las, war unglaublich. Welche Zusammenhänge es gibt, was dadurch alles im Körper beeinflusst wird und nicht mehr richtig funktioniert. Ein so komplexes Thema, da könnte man ein dickes Buch drüber schreiben. Sicher habe ich in den paar Stunden auch noch nicht alles erfasst, was es dazu zu sagen gibt und vor allem auch nicht alles wirklich bis ins Detail verstanden. Nur so viel, dass der Schleier der Traurigkeit, der sich über mich legte, durch einen Serotonin-Mangel kam, welches bis zu schweren Depressionen führen kann und der im Zusammenhang mit Gluten entsteht. Auch macht ein Serotonin Mangel aggressiv, weshalb ich auch gereizt reagiert habe. Meine Schlaflosigkeit und mein Gefühl auf Droge zu sein, war berechtigt, denn Gluten wirkt wie eine Droge. Wenn der Stoff im Körper nachlässt, will dieser wieder welchen haben und gibt keine Ruhe, bis er welchen bekommt. Deshalb konnte ich nach dem Frühstück auch gut schlafen. Habe ich doch die Speicher wieder aufgefüllt. In Deutschland habe ich es nie gemerkt. Auch dort hatte ich manchmal schlaflose Nächte. Was macht man dann? Man geht an den Kühlschrank, macht sich noch einen nächtlichen Snack und schmiert sich ein Brot, schon ist die Nacht gerettet. Gluten macht also mit seinen Auswirkungen schlapp, müde, träge und traurig-depressiv. Nach dieser Erkenntnis wurde Brot sofort wieder von unserem Speiseplan gestrichen. Nach zwei Tagen Entzug habe ich auch mal wieder mehr geschlafen, zwar noch mit Unterbrechungen, jedoch gelang es mir, jetzt immer wieder einzuschlafen. Heute geht es mir schon wieder besser, auch gefühlsmäßig. Lediglich ein paar Tage mit Brot haben mein Leben so negativ beeinflusst, wie konnte ich damit nur die ganze Zeit in Deutschland leben?
Ich denke, es geht vielen Menschen so. Wir wachsen mit Brot zum Frühstück und Abendbrot auf, bekommen die Nebenwirkungen schon von Anfang an mitgeliefert und kommen dadurch gar nicht auf die Idee, dass etwas nicht stimmt. Selbst bei starken Problemen suchen wir meist nach anderen Ursachen. Wer kommt schon auf die Idee, durch Brot Depressionen zu bekommen. Ich kann nur jedem raten, den Selbsttest zu machen und einige Wochen oder Monate mal auf Gluten zu verzichten. Ich bin jedenfalls dankbar und wieder glücklich, Brot-frei in Asien zu sein.